Junge Kunst am Niederrhein

Der Niederrhein

„Da war ein römischer Feldherr, schwarzer Kerl, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Dann kam 'n jüdischer Gewürzhändler in die Familie. Das war 'n ernster Mensch. Der 's schon vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. Dann kam 'n griechischer Arzt dazu, 'n keltischer Legionär, 'n Graubündner Landskecht, ein schwedischer Reiter ... und ein französischer Schauspieler. Ein ... böhmischer Musikant. Und das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen, gesungen und ...“


So lässt Carl Zuckmayer in seinem Schauspiel ‚Des Teufels General' General Harras die Genese der rheinischen Bevölkerung beschreiben. Und in der Tat, in den Landen zwischen Rhein und Maas hat es im Laufe der Jahrtausende einen regen Austausch der durchziehenden Völker gegeben, die alle ihre Spuren und ihre Eigenarten hinterlassen haben und der Region so ihre Weltoffenheit genetisch in ihre Geschichte geschrieben haben.

Die niederrheinischen Lande diesseits und jenseits der Grenze waren seit Jahrhunderten Durchzugsland: Römer, Franken, Merowinger, Spanier, Franzosen, Preußen kamen und gingen, kreuzten ihre Waffen, erprobten ihre Herrschaftssysteme. Aber sie hinterließen dabei auch ihre Spuren. Sprachen, Sitten, Temperamente und Geschicke verschmolzen und begründeten eine bodenständige Weltbürgerlichkeit, die ihresgleichen sucht.

Und nicht zuletzt Napoleon prägte die Landschaft durch Kanäle und Baumalleen; der Code Napoleon hat als grundlegende zivilrechtliche Gesetzesgrundlage noch heute Bedeutung.

Trotz - oder wegen - der Zugehörigkeit zu Preußen war der Niederrhein stets westorientiert, und im Zuge der europäischen Entwicklung werden besonders hier die Kooperationen mit den niederländischen Nachbarn gesucht und ausgebaut.