Junge Kunst am Niederrhein
12.08.2010

Melanie Grocki

„Ein Bild ist für mich immer ein Weltbild“
Interview mit der Kunstgenerator-Stipendiatin Melanie Grocki

Frau Grocki, Sie leben und arbeiten seit ungefähr einem halben Jahr in der Alten Lateinschule in Viersen. Wie gefällt es Ihnen hier?
Grocki: Danke, sehr gut. Ich freue mich, dass ich das Stipendium bekommen habe, denn hier in Viersen habe ich genügend Ruhe und Zeit, um zu arbeiten. Aber auch die Nähe zu Düsseldorf oder Köln ist für mich als Künstlerin natürlich sehr interessant, und zwei- bis dreimal pro Monat  besuche ich dort auch Kunstausstellungen.

Ihr Bilder sind meist großformatig und entweder schwarz-weiß gehalten oder in ganz zarter Farbigkeit. Sie verwenden niemals knallige Farben. Wieso?
Grocki: Letzten Endes bin ich keine Malerin, sondern eine Zeichnerin. Die Farbe in meinen Arbeiten gibt der Form höchstens eine zusätzliche Dimension, sie hat aber keinen Selbstzweck. Ich benutze fast immer Aquarellfarben, die in der Optik viel zarter und sanfter sind als beispielsweise Öl- oder Acrylfarben. Ich würde sogar soweit gehen, zu sagen: Farbe lügt. Denn je nach Lichteinfall ist sie immer wieder anders.

Wie würden Sie die Idee oder die Philosophie beschreiben, die hinter Ihren Bildern steckt?
Grocki: Ein Bild ist für mich immer ein Weltbild. Mir geht es darum, Strukturen anschaulich werden zu lassen. Ich bin immer auf der Suche nach Systemen und Regeln. Ganz besonders interessieren mich geistige Vorgänge und Denkprozesse,  die im menschlichen Gehirn vor sich gehen. Diesen Vorgängen versuche ich mich künstlerisch zu nähern.

Wie sind Sie zur Kunst gekommen? Haben Sie immer schon gerne gezeichnet?
Grocki: Ja, ich habe schon immer gerne gezeichnet und gemalt. Das Schöpferische daran hat mich sehr gereizt. Allerdings hatte ich auch immer schon großes Interesse an Mathematik und Physik. Wenn ich nicht Künstlerin geworden wäre, hätte ich wohl Naturwissenschaften studiert.

Wie sieht ein Tag im Leben der Künstlerin Melanie Grocki aus?
Grocki: Eigentlich sehr unspektakulär. Ich stehe gegen 06.30 Uhr auf, dann fange ich etwa um 08.00 Uhr an zu arbeiten. Bis 17.00 oder 18.00 Uhr arbeite ich, unterbrochen von einer Mittagspause und kleinen Teepausen. Diese Regelmäßigkeit ist sehr wichtig, gerade wenn man frei arbeitet wie ich. Meistens höre ich Musik bei der Arbeit. Das hilft mir, mich zu konzentrieren. Außerdem hat der Kopfhörer den angenehmen Nebeneffekt, dass Umgebungsgeräusche ausgeblendet werden, die mich vielleicht stören könnten.

Interview: Niederrheinwerke Viersen; Foto: Franz-Heinrich Busch

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